Barbara Duden
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Bewertung zur Realisierung der EU-Strategie für den Ostseeraum

03. Juli 2011

Grußwort der Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Barbara Duden, anlässlich des 9. Parlamentsforums Südliche Ostsee: „Bewertung zur Realisierung der EU-Strategie für den Ostseeraum“

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Präsident Biernacki! [Vorsitzender Sejmik der Woiwodschaft Pommern]
Sehr geehrte Frau Direktorin Wroblewska! [Abteilung für Internationale Zusammenarbeit]
Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich grüße Sie alle herzlich im Namen der Hamburgischen Bürgerschaft. Wir Hamburger fühlen uns sehr geehrt, im historisch-politisch so bedeutsamen Danzig Ihr Gast zu sein. Hier streikten vor rund 30 Jahren die Männer und Frauen der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc und demonstrierten gegen die kommunistische Herrschaft in Polen. Es war der Anfang vom Ende des zweigeteilten Europas, das uns Deutschen die Möglichkeit eröffnete, im Jahre 1990 die Wiedervereinigung zu feiern.

Zurück in die Gegenwart: Die Freie und Hansestadt Hamburg ist anlässlich des Neunten Parlamentsforums Südliche Ostsee mit vier neuen Delegierten vertreten. Wir freuen uns darauf, die in den vergangenen zwei Jahren gewachsene Zusammenarbeit fortzusetzen und gemeinsam mit Ihnen, verehrte Mitglieder, wichtige Impulse für die Gestaltung des „Lebensraums Südliche Ostsee“ zu geben.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

In den kommenden zwei Tagen werden wir darüber diskutieren, ob die Umsetzung der EU-Strategie für den Ostseeraum erfolgversprechend ist. Dabei kommen ganz unterschiedliche Aspekte zur Sprache. Zum Beispiel: Welche Bedeutung wird den Themen Bildung und Touristik beigemessen? Wie entwickelt sich die europäische Kohäsionspolitik im Ostseeraum? Wie funktioniert das mehrstufige Regierungssystem in Polen, Schweden oder Deutschland?

Um all diese Themenbereiche für das neunte Parlamentsforum vorzubereiten, wurden während der drei Arbeitsgruppensitzungen in Danzig, Schwerin und Brüssel einzelne Bausteine herausgearbeitet. Geplant ist, sie im Rahmen einer Resolution am morgigen Dienstag zu verabschieden.

Die Hamburger Delegation hat einen entsprechenden Text zum Schwerpunktthema „Bildung“ verfasst. Dieser Bereich stellt eine der wesentlichen Grundlagen dar, um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Ostseeregion langfristig zu sichern und den Menschen vor Ort zu Wohlstand zu verhelfen.

Wenn wir von kostbaren Ressourcen sprechen, sind häufig die natürlichen Vorkommen in der Umwelt wie Erdöl, Kupfer oder Aluminium gemeint. Dabei wird häufig verkannt, dass die wichtigste Ressource der Mensch darstellt. Sein Wissen, seine Kreativität und Innovationsfähigkeit sind tragende Säulen in einem zunehmenden globalen Wettbewerb. Aus dieser Perspektive nimmt der Bildungssektor eine Schlüsselfunktion ein. Er muss gefördert werden – unter Berücksichtigung aller Bildungsetappen, die Kinder, Jugendliche und Heranwachsende durchlaufen: von der Vorschule über die Primar- und Sekundarschule bis hin zur Hochschule bzw. Berufsausbildung.

Um dieses ehrgeizige Ziel für die Region der Südlichen Ostsee zu verwirklichen, bedarf es einer länderübergreifenden Kette von Bedingungen, wie sie auch bereits Einzug gefunden haben in das Strategiekonzept „Europa 2020“ der EU. Dort ist für den Bildungsbereich von Bedeutung, dass die Schulabbrecherquote auf unter zehn Prozent gesenkt wird. Gleichzeitig soll der Anteil der 30- bis 34-Jährigen, die über einen Hochschulabschluss verfügen, auf mindestens 40 Prozent gesteigert werden. Aus unserer Sicht kommt hinzu, dass Übergänge von einer Bildungsetappe zur nächsten reibungslos verlaufen müssen. Wer einen Schulabschluss macht, sollte direkt im Anschluss eine Lehrstelle oder einen Studienplatz finden.

Eine zentrale Rolle fällt hierbei der besseren Vernetzung von Schulen, Universitäten und Berufsbildungseinrichtungen zu. Wir vertreten die Auffassung, dass der grenzüberschreitende Austausch von Schülern, Auszubildenden, Studenten und Wissenschaftlern weiter ausgebaut werden sollte. Dies setzt voraus, dass heute noch bestehende Mobilitätsbarrieren aufgehoben werden.

Darüber hinaus ist eine stärkere internationale Zusammenarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen, aber auch von Universitäten und Forschungszentren anzustreben. Wir leben im Zeitalter einer zunehmenden Freizügigkeit, die es den beteiligten Staaten ermöglichen sollte, Abschlüsse im Ausbildungs- und Hochschulbereich unbürokratisch anzuerkennen. Hier könnten lokale und regionale Einrichtungen für Allgemeine und Berufliche Bildung eine zentrale Rolle übernehmen.

Eine zukunftsfähige Gesellschaft muss zudem der Jugendarbeit einen hohen Stellenwert einräumen. Dazu gehört auch ein starkes Netzwerk zwischen den Jugendorganisationen. In unseren Augen würde ein solches Bindeglied bei allen Beteiligten das Demokratieverständnis fördern und bei der Entstehung einer gemeinsamen Identität in der Ostseeregion – unter Wahrung der kulturellen Besonderheiten – langfristig helfen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wir leben heute in dem Bewusstsein, dass unser Wissen und all die Fähigkeiten, die wir während unserer Schulzeit und Berufsausbildung erlernt haben, häufig nicht ausreichen, um einen 30- bis 40-jährigen Berufsweg sinnvoll zu durchlaufen. Unsere Gesellschaft befindet sich permanent im Wandel, und mit ihr verändern sich auch die Arbeits- und Lebensbedingungen. Genau hier setzt das Konzept des lebenslangen Lernens an, dem wir in unserem Resolutionsabschnitt eine hohe Bedeutung beimessen.

Kurz zusammengefasst: Bildung ist der Schlüssel zu persönlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. Sie leistet einen unschätzbaren Beitrag, wenn es um wirtschaftlichen Erfolg und damit auch um die Zukunftsfähigkeit der Ostseeregion geht. Dafür setzt sich Hamburg beim Neunten Parlamentsforum Südliche Ostsee besonders ein.

Die gastgebende Woiwodschaft Pommern hat dankenswerterweise bereits einen Entwurf der Resolution zusammengestellt. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Inhalte der vorliegenden Abschnitte sich teilweise von denen unterscheiden, die eingebracht worden sind. Die Gespräche der kommenden zwei Tage werden uns sicherlich die Möglichkeit bieten, über diese Inhalte zu sprechen und sie an der einen oder anderen Stelle noch einmal abzugleichen.

Meine Damen und Herren!

Ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Tagung mit guten Gesprächen und konstruktiven Diskussionen, an deren Ende die feierliche Unterzeichnung der Resolution steht.

Wir Hamburger danken dem Sejmik der Woiwodschaft Pommern für seine Gastfreundschaft und die Ausrichtung des Neunten Parlamentsforums Südliche Ostsee. Ein weiterer Dank geht an die zahlreichen Helfer, die bei einer so großen Veranstaltung im Hintergrund wirken und zum reibungslosen Ablauf beitragen.

Erlauben Sie mir zum Abschluss, als Geste der Freundschaft und Dankbarkeit, ein Gastgeschenk zu überreichen.

Vielen Dank!

 

Zeitpunkt: 10:00 Uhr

Ort: Danzig, Polen